Zertifizierung zum PMP – bringt das was?

Im April 2005 bestand ich die Prüfung zum PMP. Mehr als 17 Jahre später blicke ich zurück: Was hat mir die Zertifizierung gebracht?

Der „Project Management Professional“ (PMP) ist eine Zertifizierung des Project Management Institutes (PMI). Im Web finden sich tausende Seiten, die die Vorteile des PMP aufführen, einige betrachten erfreulicherweise – meist neutral – auch die Nachteile.

Allgemeines zum PMP möchte ich hier nicht erläutern, das wurde bereits zur Genüge von vielen anderen Autoren, Projektmanagern und Beratern erledigt. Vielmehr stelle ich hier den Einfluss auf und die Veränderung für mich persönlich dar.

Warum wollte ich die Zertifizierung zum PMP?

Anfang 2005 machte ich mich selbstständig, es war meine erste Phase der Selbstständigkeit als Berater. Da ich zum Jahresanfang nicht sofort einen Kunden mit Projekt hatte, überlegte ich, wie ich die freie Zeit sinnvoll gestalten könnte. Eine Weiterbildung sollte es sein, gerne im Bereich Projektmanagement oder Business Analyse.

Die Bandbreite meiner Ideen und Recherche schwankte zwischen einfachen Tagesseminaren bis hin zum MBA in Project Management. Ersteres erschien mir zu banal, Letzteres etwas zu umfangreich. Schließlich blieb ich immer wieder bei Zertifizierungen hängen, bis sich zwei herauskristallisierten: PMI und IPMA.

Nach einigen Überlegungen und weiteren Recherchen entschied ich mich für den PMP vom Project Management Institute. Ich tat mir eine wirklich spaßfreie Woche Training an und bestand mit deutlich erhöhtem Pulsschlag die Prüfung. Ich war PMP. Und dann?

PMP-Zertifizierung – ein Vorteil bei Ausschreibungen und Bewerbungen?

Kurz und knapp mein ernüchterndes Fazit: In keinem einzigen (!) der Projekte in den vergangenen Jahren war die Zertifizierung zum PMP entscheidend. Es ging immer nur um Erfahrung und die persönliche Vorgehensweise bzw. das Angehen von Problemsituationen.

In zahlreichen Ausschreibungen wird der PMP oder eine ähnliche Zertifizierung gewünscht. Jedoch wurde mir noch nie auch nur eine einzige Frage zur Methodik gestellt. In den Projekten selbst wurde meist eine unternehmensinterne Methodik verwendet, die sich an den gängigen und bekannten orientierte.

Somit bleibt für mich die Frage: Wozu eine Zertifizierung zum PMP, wenn außer einem „ja, habe ich“ nichts mehr davon zu hören ist? Kunden sollten stattdessen lieber auf einen branchen- und projekterfahrenen Berater vertrauen, unabhängig von vorhandenen oder nicht vorhandenen Zertifizierungen.

PMP Re-Zertifizierung

Bekanntermaßen ist der PMP alle drei Jahre neu zu zertifizieren. Hier hat sich in den vergangenen Jahren ein bisschen was geändert, nicht unbedingt hin zum Positiven, wie ich meine. Auch die Re-Zertifizierung ist sehr theorielastig, die Praxis (d.h.: zufriedene Kunden) wird immer weniger berücksichtigt.

Dies mag sinnvoll erscheinen bei der inzwischen großen Menge an PMPs, die es weltweit gibt (Theorie ist leichter zu überprüfen als die individuelle Praxis). Andererseits frage ich mich dann natürlich, was der Wert eines PMP-Titels zukünftig sein soll und was das PMI damit darstellen möchte. Bei der Schwemme an neuen PMPs, verbunden mit den schwammigen Wohlfühl-Re-Zertifizierungen, ist der Titel PMP nichts, womit man hervorstechen kann.

Hat der PMP dennoch etwas gebracht?

Zwei Vorteile möchte ich hervorheben, die die Projektarbeit für mich dennoch erleichterten:

  1. Wording: Die standardisierte Bezeichnung der einzelnen Phasen, Schritte und vor allem der Deliverables erleichterte deutlich die initiale Kommunikation mit anderen (anfangs noch recht unbekannten) Projektmitgliedern. Auch wenn die zugrundeliegende Methodik oftmals ein hausinternes Eigengewächs war, so war der grundsätzlich gewünschte Inhalt des besprochenen Lieferpakets alleine aufgrund der Namensgebung klar und eindeutig.
  2. Vorgehensweise und Struktur: Im Grunde genommen gibt es bei der Projektvorgehensweise Wasserfall keine großen Unterschiede zwischen all den zahlreichen Methodiken. Irgendwann erfolgt irgendwie ein Start, und deutlich später ist alles fertig (meistens, zumindest). Dazwischen passiert eine ganze Menge, was je nach Vorgehensmodell mal so oder so dokumentiert werden muss.
    Was mir gut am PMP gefällt, ist der Raum und die Freiheit, die mir bei der Umsetzung der Projekte gelassen wird. Das PMBOK ist für mich ein „Vorschlag“, was alles in einem Projekt beinhaltet sein kann, und je nach Kunde, Auftrag und Projektinhalt kann ich mehr oder weniger intensiv das methodische Umfeld gestalten. Es gibt eine klare Struktur und Vorgehensweise, die Details bleiben jedoch mir überlassen.

Persönlich und privat

Das „PMP“ auf der Visitenkarte und in der Signatur ist bei mir inzwischen wieder verschwunden. Ebenso auch die Ergänzungen bei LinkedIn oder Xing.
Nachtrag hierzu: es tut mir leid – es mag durchaus Menschen geben, die sich gerne mit ihren Titeln schmücken, aber „Vorname Name, PMP“ als Kontaktinformation anzugeben, das geht aus meiner Sicht aus verschiedenen Gründen gar nicht.

Da ich ein überzeugter Befürworter des Prinzips bin, dass jeder seinen eigenen Weg zu einem vorgegebenen Ziel finden sollte, liegt mir das Konzept der empfohlenen Struktur mit vielen Freiheiten sehr. Bei privaten „Projekten“ gehe ich zwar nicht nach PMBOK vor, meine bereits vorhandene strukturierte Vorgehensweise leidet jedoch keinesfalls unter dem gewonnenen Wissen.

Fazit

Die Zertifizierung zum PMP im Profil stehen zu haben schadet zumindest nicht. Vielleicht öffnet es die ein oder andere Tür bei Kunden, Interviewern und Personalern. Vielleicht wäre man aber auch so in die engere Auswahl gerutscht.

Feedback von bisherigen Kunden als auch von verschiedenen Nicht-Kunden: auch wenn es in der Ausschreibung steht, so ist es kein KO-Kriterium, wenn der PMP nicht vorhanden ist. Erfahrung ist wichtiger als ein Titel.

Einen rein monetären Vorteil (höherer Stundensatz aufgrund des PMP) konnte ich bisher nicht feststellen.

Und Fakt ist, darüber sollte sich jeder Auftraggeber im Klaren sein: Der Titel PMP liefert keine Projekte. Ein Projektmanager kann davon profitieren, allerdings ist dies nur ein kleiner Teil im komplexen Projektgebilde.

Würde ich die Prüfung zum PMP heute erneut angehen? Vermutlich ja. Nicht aus monetären Gründen, nicht aus Prestigegründen, sondern des Wissens wegen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Bernd Schneider

    Hallo Herr Hell,
    interessant, auch mal ein paar kritische Worte zum PMP zu lesen. Sonst ist das ja eher Einheitsbrei und viele Artikel klingen wie Sales Pitches.
    Ich überlege noch, ob die Zertiifizierung sinnvoll ist. Allerdings bin ich Angestellter und habe somit nicht den Druck wie ein Selbstständiger.
    Danke nochmals für Ihre hilfreichen Ausfühtungen.
    BS

    1. Hubert Hell

      Hallo Herr Schneider,
      danke fürs Feedback und Ihre Zeilen. Falls Sie noch Fragen haben, schicken Sie mir bitte gerne eine Mail.
      Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung!
      Hubert Hell

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